Zwei mal World of Warcraft

In der Zeit schreibt Jessica Braun über fünf Jahre Erfahrung mit World of Warcraft – erstaunlich unreflektiert, dafür angenehm unaufgeregt.

Und da wir beim Thema sind: Mittlerweile in der vierten Staffel angekommen ist “The Guild“. Die von Felicia Day kreierte und kostenlos über YouTube vertriebene (kann man “ausgestrahlte” schreiben?) Serie behandelt in drei- bis acht-minütigen Folgen das exzentrische Leben einer Rollenspiel-Gilde. Die Pilotfolge gibt es hier:

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Sommergespräche mit Michel Serres, Lorenz Engell, Alexander Kluge

Und der Vollständigkeit halber noch der verspätete Hinweis auf die am Freitag, den 30. Juli, und Samstag, den 31. Juli, stattfindenden “Sommergespräche an der Spree” mit Michel Serres, Lorenz Engell und Alexander Kluge:

Michel Serres, französischer Wissenschaftstheoretiker, Philosoph und Sohn eines Fluss-Schiffers, fuhr zehn Jahre lang zur See. Auf Einladung des Merve Verlags kommt der vielseitigste und bedeutendste Philosoph der Gegenwart nun kurz vor Vollendung seines 80. Lebensjahres nach Berlin, um beim Festival WasserMusik2010 am Haus der Kulturen der Welt ein Wochenende lang für Gedanken im Überfuss zu sorgen. Nach seinem Eröffnungsvortrag wird Michel Serres von Catherine David, Hans-Peter Dürr (tbc), Lorenz Engell und Alexander Kluge in Gespräche verwickelt. Sie folgen dem Fluss seines Denkens, bilden Abzweigungen, stranden am Ufer – eine unerwartete Odyssee. Am zweiten Tag hält er mit der „Irrfahrt“ eine eigens für die Veranstaltung konzipierte Lecture Performance, die vielfältige Einblicke in seine Denk- und Arbeitsweisen erlaubt.

Das vollständige Programm gibt es als PDF.

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Ende dreißig, zwei Kinder, wohl situiert – cool

Während der Anteil der Single-Haushalte weiter wächst und damit entsprechende kulturelle Veränderungen einhergehen, wird auch die moderne Eltern-Kultur zunehmend mit Attributen wie Coolness paraphrasiert und aufgeladen. Dass der Prenzlauer Berg dabei auch jenseits des Atlantiks liegt, zeigt die aktuelle Marketing-Kampagne für den “Swagger Waggon” (“swagger” ist dabei wohl die saubere Version von “Pimp”):

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Ausstellung “locate me”

Im immer wieder gern gelesenen “Museumsportal Berlin” bin ich auf kleine Ausstellung im Kunstraum Kreuzberg aufmerksam geworden: “locate me”. Aus der Ankündigung:

Locate Me“ ist ein Funktionsbefehl, dem immer eine Frage vorausgeht: nämlich die nach dem Standort und dem eigenen Standpunkt. Die Verortung des Ichs im urbanen Raum erfährt durch mobile Mediennutzung – durch GPS und den damit verknüpften Web 2.0-Angeboten – neue Aufmerksamkeit. Suchanfragen und Interaktionen im Netz lassen dabei eine virtuelle Oberfläche der Stadt entstehen, die neue Strategien der Raumerschließung provoziert. Die Ausstellung „Locate Me“ untersucht die Auswirkung neuer Kommunikationstechnologien auf tradierte Raumkonzepte. Sie ist ein Erfahrungsbericht junger zeitgenössischer KünstlerInnen über die digitale Stadt.

Neben der regulären Ausstellung, gibt es ein Begleitprogramm, unter anderem:

Donnerstag, 22. und 29. Juli, 21-23 Uhr
* Leave-A-Comment Toolkit. Secret-Tour mit Patrick Kochlick und Dennis Paul
Samstag, 07. August, 10-18 Uhr und Sonntag, 08. August, ab 16 Uhr
* Macht Spiele! Mit Berlin Invisible Playground
Street Games Design Workshop. Street Games zwischen Kunstraum Kreuzberg und Kottbusser Tor
www.machtspiele.org

Insbesondere der Termin am 7. August klingt interessant:

MACHT SPIELE! stellt einen Sommer lang die Technologien der Macht in den Dienst des Spiels. An drei Orten – Alexanderplatz, Oberbaumbrücke und Mariannenplatz – bieten wir Workshops zur Entwicklung von Street Games an. Ausgestattet mit einem Toolset von Technologien und Spielformen entwickeln wir auf dem Level der Stadt Street Games rund um Überwachung, Tarnung und Grenzverkehr. Die taufrischen Games können dann bei einem Event am selben Ort von jedem getestet werden.

Street Games sind Spiele, die von 1-50 Teilnehmern über einen Zeitraum von 10-90 Minuten in der Stadt gespielt werden und an die Traditionen von Gelände-, Gesellschafts- und Computerspielen anschließen. Die Inspiration ist eine Reihe von Festivals (Come Out & PlayHide & SeekigFest), die sich in den letzten Jahren in USA und England entwickelt hat. Street Games übertragen Spaß, Spannung und Engagement aus Computer- und Brettspielen in die echte Welt und sind eine großartige Weise, unsere Stadt gemeinsam neu zu erleben.

Mit Street Games nimmt MACHT SPIELE! die Gegenwart unter die Lupe. 20 Jahre nach dem Fall der Mauer ist die friedliche Revolution von 1989 ausgiebig gefeiert worden – die menschenverachtende Grenzanlage und das Überwachungssystem der Stasi sind Geschichte. Aber Berlin wird weiterhin von einer Vielfalt ökonomischer, kultureller und technischer Grenzen und den damit verbundenen Machtspielen von Überwachung und Tarnung geprägt. MACHT SPIELE! macht diese komplexer gewordene Raumordnung auf spannende Weise erleb-, verhandel- und veränderbar.

Das Thema der Ausstellung passt sich perfekt in das nicht festgelegte Jahresthema “mobile” ein, das bereits auf der diesjährigen Hyperkult in den Fokus gerückt wurde (die Vorträge sind mittlerweile als Videostreams abrufbar).

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Rezension – Markus Reiter “Dumm 3.0: Wie Twitter, Blogs und Networks unsere Kultur bedrohen”

Gemessen an anderen medialen Formen sind “Web 2.0″-Ausprägungen wie Blogs und “social networks” eine sehr junge Erscheinung. Dennoch und gerade deswegen spitzt sich die Debatte um diese neuen Medien und ihr Wechselspiel zu älteren Medien, Politik und Gesellschaft zu. Ein Klassiker in diesem Diskurs ist mittlerweile Geert Lovinks “Zero Comments: Elemente einer kritischen Internetkultur” (2008). Unlängst erschienen ist nun Markus Reiters “Dumm 3.0: Wie Twitter, Blogs und Networks unsere Kultur bedrohen“.

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International Flusser Lectures Day – 30.6.2010 / Berlin

Per E-Mail erreichte mich gerade folgende Einladung zum “International Flusser Lectures Day”:

International Flusser Lectures Day
Datum: 30.06.2010
Uhrzeit: 15.00
Ort: Aula Haus Salomon, Universität der Künste Berlin, Grunewaldstr. 2-5, 10823 Berlin
Eintritt: frei
Zu Ehren Vilém Flussers – im Mai wäre sein 90. Geburtstag gewesen – veranstaltet das _Vilém_Flusser_Archiv am 30.06.2010 ab 15.00 einen International Flusser Lectures Day. Die International Flusser Lectures sind ein Projekt des _Vilém_Flusser_Archivs, das 1999 an der Kunsthochschule für Medien in Köln von Siegfried Zielinski initiiert wurde und seit 2007 an der Universität der Künste Berlin weitergeführt wird. Mit den Lectures hält das Archiv das geistige Lebenswerk Vilém Flussers und sein anregendes Potential lebendig und setzt es mit aktuellen Entwicklungen der Geistes- und Naturwissenschaften in Beziehung. Erstmals werden drei Vorträge an einem Tag veranstaltet und geben somit den Vortragenden die Möglichkeit zu einem direkten, gegenseitigen Austausch ihrer kultur- und medienphilosophischen Ansätze. Auf diese Weise wird mit dem International Flusser Lectures Day Vilém Flussers Philosophie und seiner Theorie des Dialogs in praktischer Ausführung diesmal besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Programm
15.00
Claus Pias: Maschinen – Sprachen
Seit 1945 ist Sprache nicht mehr nur Gegenstand der Philosophie und der Linguistik, sondern auch der Informatik. Insbesondere mit der Maschinellen Übersetzung (MT) entstehen dort eigene Theorien von Sinn und Bedeutung, Grammatik, Syntax und Lexik, Weltwissen und Ambiguität. Dabei entsteht zugleich ein Grenzverkehr zwischen Informatik und Philosophie (Ernst von Glaserfeld, Noam Chomsky u.a.) Im Zentrum des Vortrags steht daher die frühe Geschichte der Maschinellen Übersetzung, mit Abstechern zu Computerlyrik, Primatenforschung und anderen vermeintlichen Seitenwegen.
16:30
Nils Röller: Empfindungskörper
Am Rande des Selbstmords entdeckt Vilèm Flusser Kant und den Neokantianismus. Er beschreibt diese Entdeckung als entscheidende Wende. Der Vortrag fragt, inwiefern ein philosophiegeschichtlicher Diskurs, der zunächst denkbar weit entfernt von existentiellen Fragestellungen argumentiert, in einer Situation der Krise produktiv werden kann für ein Philosophieren in der Bodenlosigkeit. Dieses Philosophieren in der Bodenlosigkeit entwickelt medientheoretische Ansätze, die das Verhältnis von Denken, Fühlen und medialem Handeln modulieren.
18.00
Florian Rötzer: Utopie des Spiels oder das Leben als Spiel
Die Wirklichkeit oder das Leben sind vielleicht kein Spiel, aber beides lässt sich als Spiel betrachten, das die Menschen mitspielen müssen, wobei sie sich als Virtuosen, Zocker, Verlierer oder Verweigerer positionieren müssen. Vermutlich ist das Zurücktreten aus der vermeintlichen Wirklichkeit und das Verständnis von Welt und Leben als Spiel unter bestimmten Regeln der Ursprung der menschlichen Kultur, die Realität selbst nur das Produkt des Wissenschaftsspiels. Zudem haben Spiele nicht wegen ihrer angeblichen Zweck- und Folgenlosigkeit oder einer wie auch immer begründeten Realitätsferne etwas von einer politischen Utopie an sich. Sie sind sogar der Vorschein der Utopie einer Gesellschaftsordnung, die im Unterschied zu den stets vorhandenen sozialen und biologischen Ungleichheiten von der Chancengleichheit der Akteure ausgeht und Korruption durch Befolgen der vorher vereinbarten und anerkannten Regeln verhindert. Spiele realisieren eine anfänglich gerechte Welt. Die Akteure nehmen freiwillig an dieser Welt teil und sie nehmen die Verantwortung für sich in die Hand, indem sie sich für Züge und Spieleinsätze entscheiden und damit die Zukunft herstellen.
19:30
Stephen Kovats: Ausblicke auf die transmediale 2011 und den Vilém Flusser Theory Award
20.00
Podiumsdiskussion mit
Claudia Becker – Claus Pias – Nils Röller – Florian Rötzer – Siegfried Zielinski
Außerdem
Im Foyer der Aula: Objektpräsentation von Archivalien
Die Vortragenden
Claus Pias ist Professor für “Erkenntnistheorie und Philosophie der digitalen Medien” an der Universität Wien und derzeit Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin. Zuletzt sind von ihm erschienen: “PowerPoint. Macht und Einfluß eines Präsentationsprogramms” (mit Wolfgang Coy), Frankfurt 2009; “Abwehr: Modelle, Strategien, Medien”, Bielefeld 2009; “Think Tanks. Die Beratung der Gesellschaft” (mit T. Brandstetter und S. Vehlken), Zürich 2010.
Nils Röller ist Professor für Medien- und Kulturtheorie an der Zürcher Hochschule der Künste, dort auch im Leitungsteam der Vertiefung Mediale Künste. Nach dem Studium der Philosophie in Berlin war er Mitarbeiter an der Kunsthochschule für Medien Köln, wo er mit Siegfried Zielinski das Festival „Digitale“ von 1995-99 leitete. Er baute das Flusser-Archiv auf und war Mitherausgeber von Lab – Jahrbuch für Künste und Apparate war. Seit 2006 ist er Herausgeber des Journals für Kunst, Sex und Mathematik (gemeinsam mit Barbara Ellmerer und Yves Netzhamme(www.journalfuerkunstsexundmathematik.ch). Gegenwärtig forscht er zum Verhältnis von Instrument, Medialität und Wirklichkeit. Im Juni 2010 erscheint dazu: Magnetismus – Eine Geschichte der Orientierung. München: Fink, 2010.
Florian Rötzer hat nach dem Studium der Philosophie als freier Autor und Publizist mit dem Schwerpunkt Medientheorie und -ästhetik in München gearbeitet. Seit 1996 ist er Chefredakteur des Online-Magazins Telepolis (www.telepolis.de) und Herausgeber der Telepolis-Buchreihe. Zu seinen Veröffentlichungen zählen »TerrorMedienKrieg« (Hg., mit G. Palm), Heidelberg 2002.; »Medien der Gewalt« (Hg.), Heidelberg 2002; »Renaissance der Utopie« (Hg. mit R. Maresch), Frankfurt a.M. 2004; »Vom Wildwerden der Städte«, Basel 2006.

Flyer "International Flusser Day 2010"

Das wird sicher ein spannender Nachmittag in der UdK. (Etwas merkwürdig nur, dass die Veranstaltung einen englischen Titel trägt, aber nur deutschsprachige Vorträge gehalten werden.)

Mehr auf der Seite des Flusser Archivs.

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Programm der Hyperkult 19 veröffentlicht

Das Programm der diesjährigen Hyperkult 19 “Mobiles – You Are Now Here” wurde vor kurzem veröffentlicht. Wie der Titel bereits andeutet, liegt der Fokus in diesem Jahr auf Technik, Kultur und Wirkung mobiler Endgeräte. Allein die Tatsache, dass heute wohl ca. drei Milliarden Handies nur einer Milliarde Desktop-Rechner gegenüberstehen scheint dieses Thema mehr als dringlich zu machen. Letztlich droht das kleine Hosentaschengerät allein durch seine Alltäglichkeit thematisch unterzugehen. Durch die technische Expansion von Highend-Geräten wie iPhones und Android-Telefonen, die mit ihrer technischen Ausstattung so manchen Desktop-Rechner überholen, ist die Verfremdung wohl groß genug, um genügend Distanz für eine thematische Bearbeitung zu finden.

Das Programm ist auch als PDF erhältlich.

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Termin: Gespräch zur medialen Situation des Intellektuellen – am 7. Juni 2010

Am 7. Juni 2010 veranstaltet das IKKM Weimar, mit dem ich mich nicht zuletzt durch mein Studium in Weimar und meine anstehende Dissertation verbunden fühle, erfreulicher Weise in Berlin eine Podiumsdiskussion zur “medialen Situation des Intellektuellen”. Aus der Ankündigung:

Mehr noch als Vergangenheit und Zukunft ist die Gegenwart ein Medienprodukt. Daher trägt jede Gegenwart eine unhintergehbare Signatur durch Medien. Um diese Signatur entziffern zu können, ist eine Gegenwartsdiagnose nötig, die sich weder dem Zeitgeist ausliefert, noch zur epochalen Deutung verkommt. Die Situation des Intellektuellen wird daher nur in der Diskussion um seine Zeitgenossenschaft bestimmbar. Zeitgenossenschaft ist die klassische Bestimmung des Intellektuellen, denn Zeitgenosse ist nicht nur, wer mit anderen gleichzeitig lebt, sondern – so sagt es bereits das Grimmsche Wörterbuch – wer mit seiner Zeit synchron ist. Ein Denken, das an der Zeit ist, muss nicht nur von heute sein, sondern Begriffe und Interventionen etablieren, die Gleichzeitigkeit und Vergleichbarkeit allererst herstellen.

Eine prestigeträchtige Figur, die solche Eingriffe virtuos beherrscht, ist der Medienintellektuelle. Die Massenmedien sind zugleich Quelle und Kanal seiner Autorität, ihnen verdankt er eine flüchtige Reputation, die ständig neue Themen und Diagnosen generieren muss. Hier soll jedoch kein tagesaktueller Eingriff, sondern ein anderer Zugriff erprobt werden, der sich von der Orientierung an den Massenmedien entfernt und stattdessen die Medien und Techniken der Kultur am Denken der Gegenwart teilhaben lässt.

Inwiefern also nicht ein publizistischer, sondern ein kulturwissenschaftlicher Begriff der Medien für die geistige Situation der Zeit zentral und ob Medienwissenschaft, auch und gerade wenn sie historisch denkt, auf der Höhe ihrer Zeit ist, darüber diskutieren mit dem Moderator Wolfgang Hagen drei informierte Zeitgenossen: Hans Ulrich Gumbrecht, Bernhard Siegert und Siegfried Zielinski. Im Verlauf des Abends wird das aktuelle Heft der neuen “Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung” (ZMK) vorgestellt, die den Diskussionen und Diagnosen der Medienwissenschaft, ein internationales Forum bietet.

Die Veranstaltung findet im HAU 2 (Hebbel am Ufer 2) ab 20 Uhr statt. Ich werde voraussichtlich gegen 21:30 erst vor Ort sein.

Der Intellektuelle im Internet wurde nichtzuletzt 2009 von der Zeit mit einem recht scharfen Artikel thematisiert. Dort heißt es zumindest:

So untüchtig er scheint – er wird nicht aussterben. Der Intellektuelle wird untertauchen wie der Taucher in die Tiefe, er wird Internetrandzonen bewohnen, Foren, die nur von seinesgleichen aufgesucht werden. Wie ja auch die Bullenzüchter der Welt sich heute in geschlossenen Zirkeln austauschen oder die Hebammen über ihr Wirken. Jedoch als der, der er bislang war, Störenfried des Konsenses, Vermittler von Wissensbeständen, Korrektiv des Staats, wird er verschwinden. Seine Spur ist eine, die bald schon Wellen glätten.

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Wie alt ist Borland-Gründer Philippe Kahn?

Vorab: Ich zähle mich nicht zu den Wikipedia-Nörglern. Ich halte Wikipedia, die auch gern liebevoll nach der Kinder-Serie “Fraggles” als “Allwissende Müllhalde” bezeichnet wird – für einen guten Einstieg in ein Thema und als Kulturwissenschaftler für eine interessante Quellen kanonischen Wissens, das, so betrachtet,  ein gutes Werkzeug ist.

Etwas stutzig wurde ich aber, als ich vor wenigen Tagen mich über Philippe Kahn, dem Gründer von Borland, informieren wollte. In der Regel ist es sinnvoll, neben dem deutschen auch den englischen Artikel zu lesen, da diese bei nicht-deutschen Themen zumeist deutlich länger sind. Das traf auch diesmal zu und wäre keiner weiteren Erwähnung wert, wenn nicht eine evidente Diskrepanz zwischen den beiden Artikeln schon in der ersten Zeile auftauchte:

deutschsprachige Wikipedia

Philippe Kahn - Wikipedia (de)

englischsprache Wikipedia

Philippe Kahn - Wikipedia (en)

Im deutschsprachigen Artikel ist Kahn also zehn Jahre älter als im englischsprachigen. Der Fehler soll nicht dazu dienen, in die übliche Qualitätsdiskussion einzusteigen, die nichtzuletzt Markus Reiter in “Dumm 3.0: Wie Twitter, Blogs und Networks unsere Kultur bedrohen” wieder eröffnete (eine Rezension folgt demnächst), sondern auf zwei Dinge hinzuweisen:

Man kann nicht oft genug betonen, dass Daten falsch sein können. Das erstaunliche an diesem Fall ist, dass es sich um sehr triviale Fakten handelt, denen man beim Lesen sicher am wenigsten misstrauen würde. Im vorliegenden Fall zieht sich der Fehler nicht nur durch die Wikipedia, sondern scheint sich – vielleicht von ihr ausgehend oder von ihr nur multipliziert – über das gesamte Internet zu erstrecken, wie Web-Suchen nach “Philippe Kahn 1952″ bzw. “Philippe Kahn 1962″ belegen. Hier die richtige Information auszumachen, ist also plötzlich keine ganz triviale Aufgabe mehr.

Interessanter aber scheint die Frage, wie eigentlich mit diskreten Daten zwischen verschiedenen Sprachversionen des selben Artikels auf Wikipedia umgegangen wird. Ich kenne mich nur wenig mit MediaWiki, der Software hinter Wikipedia aus. Ich vermute aber, dass es bis jetzt nicht die Möglichkeit gibt, bestimmte Daten wie Datumsangaben, Maße, usw. zentral und semantisch für einen Artikel für alle Sprachversionen festzulegen, so dass es eine Abweichung bei diesen Daten nicht geben kann. Es gibt sicher viele Daten und Fakten, die von Sprachversion zu Sprachversion verschieden dargelegt und auch durch verschiedene Kulturkreise unterschiedlich interpretiert werden, “harte Fakten” jedoch könnten hier vereinheitlicht abgelegt werden und würden sich auch die Kommunikation zwischen den Sprachversionen, bzw. zwischen den entsprechenden Autoren anregen.

Zumindest denkbar wäre schon heute eine automatisierte Suche nach verschiedenen Datumsangaben auf verschiedenen Sprachversionen, wenn auch die verschiedenen Notationen dies erschweren:

Notation auf der deutschen Seite:

”’Philippe Kahn”’ (* [[16. März]] [[1952]])

Notation auf der englischen Seite:

”’Philippe Kahn”’ (born March 16, 1962)

Vielleicht gibt es so ein Projekt schon – über einen Hinweis freue ich mich.

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Berliner Gazette erhält “Alternativen Medienpreis” 2010

Ich freue mich, mitteilen zu können, dass das Mini-Feullieton “Berliner Gazette” dieses Jahr mit dem ersten Platz des “Alternativen Medienpreises” prämiert wurde. Als Vereinsmitglied und technischer Redakteur bin ich in den letzten zwei Jahren zum Projekt gestoßen und konnte erst unlängst in einer sehr produktiven Arbeit mit Marcel Eichner, Krystian Woznicki und Magdalena Taube das Format auf eine neue Plattform umstellen und neu gestalten, so dass die Berliner Gazette sich nun perfekt zur Prämierung im neuen Gewand präsentiert. Ebenso erfreulich ist unser Nachbar beim Medienpreis, das bekannte Blog netzpolitik.org vom Internet-Aktivisten Markus Beckedahl, gratuliere ich auf diesem Weg.

Weitere Informationen finden sich in der Ankündigung auf berlinergazette.de.

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