Interessante Blogs und Twitter-Accounts zur Situation in Griechenland – ein paar Empfehlungen (weitere Tipps?)

In seiner aktuellen “Digital ist besser”-Kolumne fordert Jonny Häusler dazu auf, sich digital mit Griechenland zu solidarisieren. Damit meint er, sich digital vor Ort zu informieren, um die Gedanken und Erfahrungen der Menschen zu lesen, die von der Krise direkt betroffen sind:

Sie ist nämlich nicht nur ein politisches und finanzielles Drama, die EU-Krise rund um Griechenland, sondern auch ein gesellschaftliches, ein menschliches. Doch in den sozialen (!) Netzwerken ist davon nicht viel zu spüren. Wir — ich beziehe mich an dieser Stelle bewusst mit ein — könnten unsere Netzmöglichkeiten nutzen, könnten uns mit Berichten und Meinungen griechischer Blogs auseinandersetzen. Wir könnten viel mehr von den aktuellen Lebenssituationen griechischer Freunde und Bekannter berichten oder auch — wenn wir im Netz schon vom Business reden — Kontakt mit griechischen Startups aufnehmen.

Ich hatte ehrlich gesagt bisher noch nicht drüber nachgedacht, neben dem üblichen Spiegel-Online-ZEIT-Süddeutsche-undsoweiter-Konsum auch griechische BloggerInnen zu lesen. Wahrscheinlich liegt es einfach an der Sprachbarriere. Man muss also etwas mehr recherchieren, um Berichte aus Griechenland zu finden, die zumindest in Englisch abgefasst sind. Die gibt es sicher reichlich. Leider fehlten dem Artikel von Jonny noch ein paar konkrete Vorschläge, welche Blogs/Twitter-Accounts man verfolgen kann. Ich habe daher noch einmal rumgefragt und folgende Empfehlungen bekommen, die ich einfach mal ungefiltert weitergebe:

Weitere Empfehlungen nehme ich gern in den Kommentaren entgegen.

Lieber F. – Abschiedsbrief an einen (vielleicht) verstorbenen Freund

Triggerwarnung: Suizid.

Lieber F.,

es ist nun einige Zeit her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. Wir saßen in einem britischen Restaurant, aßen mittelmäßige Burger und führten ein beklemmendes Gespräch über Geld. Dir ging es nicht gut, das sah ich und Du vermitteltest mir das Gefühl, ich sei mit Schuld an Deiner Lage. Das traf mich hart. Es war schwer, Dich so zu sehen, doch ich wusste, es ging nicht um mich. Es war unser letztes Treffen. Hätte ich das gewusst, ich hätte mich anders verabschiedet.

Doch gehen wir etwas zurück. Vor einigen Jahren habe ich Dich kennengelernt. Wir waren Kollegen, haben an langen Abenden gemeinsam Projekte bearbeitet, „rumgehackt“ und uns ab und zu gegenseitig besucht. Ich erinnere mich noch heute gern daran, wie Du mit mir zusammen zu meiner Hochzeit einen Anzug kaufen gehen wolltest. Wir wurden in Läden, die ich sonst nie betreten hätte, mit Sekt bewirtet und mit „Na, was wollen die Herren?“ angesprochen. Du konntest Dich auf solchem Parkett nonchalant bewegen, ich war gern einmal dort Gast und hatte das schöne Gefühl, einen Freund zu haben. [Read more…]

Re: Berlin kriegt ein “freies” Wlan – Nachtrag nach Gespräch mit Betreiber-Firma

Vor ein paar Tagen habe ich mich über den erneuten Versuchen der Stadt Berlin echauffiert, mal wieder ein kostenfreies Wlan in der Stadt aufzubauen. Anstoß meiner Kritik war, dass als Partner die “Werbeagentur” abl social federation GmbH ins Boot geholt wurde und die Zugänge durch Werbung gegenfinanziert werden soll.

Nach meinem Artikel hat sich der stellvertretende Geschäftsführer der abl social federation GmbH bei mir gemeldet und wollte ein paar Fakten richtigstellen, die in der Presse bisher entweder nicht oder falsch dargestellt wurden. Da einige vielleicht an den Hintergründen interessiert sind, habe ich mir (in Absprache) ein paar Notizen zum Projekt gemacht:

Handling

Die Handhabung des Wlans wird klassisch ablaufen: Nach Verbinden mit dem Wlan sieht man eine Willkommensseite, stimmt den AGBs zu und sieht einen Videowerbespot. Die Spots werden vier bis sechs Sekunden lang sein.

Technologie

Für das Projekt werden Cisco-Router verbaut. Wahrscheinlich kommen zum Beispiel MR66 Wlan-Router zum Einsatz. Die Geräte sind für den Außeneinsatz entwickelt worden. Geplant ist eine Anfangsinvestition von ungefähr 500.000 Euro.

Abdeckung und Werbe-freie Zonen

Es gibt eine etwas komplexere Absprache mit der Stadt, wo Router aufgestellt werden und wo Werbung geschaltet wird, bzw. geschaltet werden darf. Geplant ist zum Beispiel an über 100 öffentlichen Gebäuden wie Rathäusern und Jugendämtern, aber auch Kulturgebäuden wie Bibliotheken Wlan anzubieten. An diesen wird es teilweise keine Werbung geben, da dies nicht mit dem jeweiligen Setting vereinbar ist (z.B. Videowerbung in der Bibliothek oder thematisch unpassende Werbung im Jugendamt). Die Verhandlungen mit den Institutionen dauern noch an, so dass wohl im September mit der Umsetzung des Projekts begonnen wird.

Werbedeals und lokaler Fokus

Da die Wlan-Zugangspunkte lokalisiert sind, setzt man auf lokale Werbekunden, also zum Beispiel auf Geschäfte und Restaurants aus der jeweiligen Umgebung. Es wird natürlich auch klassische Werbekunden (wie zum Beispiel Payback) geben.

 

Meine Kritik an der Stadt Berlin muss ich an dieser Stelle nochmal klarer trennen von einer Kritik am zukünftigen Betreiber. Meine Enttäuschung richtet sich vor allem gegen die Stadt, die seit Jahren das Projekt freies Netz nicht auf die Reihe bekommt, aber immer wieder versucht. Die Entscheidung für eine Agentur mit Werbe-Hintergrund halte ich nicht für den politisch richtigen Weg.

Die bisherigen Projekte der abl social federation GmbH  lassen aber vermuten, dass sie ein Projekt dieser Größe durchaus stemmen kann. Ich hätte nur gern ein Wlan ohne Video vorab als “Weltstadt” präsentiert. Aber den fahrscheinlosen Nahverkehr haben wir ja auch (noch) nicht. Immerhin wird es einige Wlan-Punkte ohne Werbung geben. Das ist ja ein Anfang.

 

Mit Kindern fernsehen. Was eigentlich? Zwischen Medienhistorie und Emily Erdbeer

Vor kurzem hat mich Netflix gefragt, was ich eigentlich mit meinen Kindern für Filme und Serien sehe. Das ist bei uns durchaus ein Thema, über das @fraumierau und ich uns einige Gedanken gemacht haben. Sie hat Kleinkindpädagogik studiert, ich Medienkulturwissenschaft. Da fällt es schwer, nicht über das Thema zu diskutieren.

Ein Ansatz, auf den wir uns früh einigen konnten, war ein medienhistorisches Sehen-Lernen. Die Idee ist, dass Fernsehen historisch zunehmend komplexer wird. Die Produktionsbedingungen werden immer technischer und treten zugleich weiter in den Hintergrund. Je älter Fernsehserien und Filme sind, desto eher sieht man ihnen an, wie sie gemacht wurden. Ich finde das sympathisch und halte es für eine sinnvolle Herangehensweise, Kinder geschichtlich ans Medium Fernsehen heranzuführen. Das Auge lernt mit dem Sehen. Wenn wir uns heute Serien aus den 80ern ansehen, können wir teilweise nicht mehr ganz nachvollziehen, wie sie uns mit ihren groben Pixeln so fesseln konnten. HD-Fernsehen fordert auch seinen geschichtlichen Tribut. Doch junge Menschen haben diese Sehgewohnheiten noch nicht und können sich viel leichter auf alte Inhalte einlassen, die sie noch verzaubern können. [Read more…]

Jedes Jahr aufs Neue: Berlin kriegt ein “freies” Wlan. Diesmal von einer … Werbeagentur

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In Berlin soll es ein freies Wlan geben. Mal wieder. Abgesehen davon, dass es seit vielen Jahren das Freifunk-Projekt gibt, blamiert sich die Stadt Jahr um Jahr mit neuen Vorstößen, in der Stadt eine kostenfreie Wlan-Infrastruktur aufzubauen. 2012 hieß es noch, dass man 100 Hotspots an zentralen Punkten für Touristen aufstellen wolle. Die Nutzungsdauer sollte auf 30 Minuten begrenzt sein und die Kooperation mit Kabel Deutschland war etwas fragwürdig. Gibt es diese 100 Hotspots noch und hat die Stadt dafür Geld bezahlt? Ich will es lieber nicht wissen. [Read more…]