DDR-Erinnerungen an Grafschafter Goldsaft sind wahrscheinlich ein kollektiver Irrtum. (Oder?)

Vor kurzem habe ich hier um Kommentare gebeten, was in der DDR gefrühstückt wurde. Das nicht repräsentative Ergebnis der Umfrage habe ich zusammengefasst. Mir ist beim Zusammenstellen der Informationen aufgefallen, dass oft »Grafschafter Goldsaft« genannt wird. Und auch ich meine mich daran zu erinnern, ihn in der DDR gegessen zu haben. Eine Recherche auf Wikipedia ergab jedoch keine Hinweise, dass es ihn wirklich in der DDR gab. Die produzierende Firma sitzt in den alten Bundesländern. In den neuen Bundesländern gab es mit »Zörbiger Überrübe« ein eigenes Produkt. Interessant ist, dass auch Ostalgie-Shops Grafschafter Goldsaft anbieten.

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Kinderfotos im Netz? Ja, bitte.

Ich wurde mehrfach gebeten, meine Position zu Kinderfotos im Netz aufzuschreiben. Ein emotionales Thema…

Kinder außerhalb des öffentlichen Lebens

Vor ein paar Jahren sorgte das neue eröffnete Berliner Café »The Barn Roastery« für negative Schlagzeilen: »Kinderwagen unerwünscht« hieß es, denn der Besitzer hatte beschlossen, durch einen Poller Menschen mit Kinderwagen am Betreten des Ladens zu behindern. Ein ähnliches Gefühl hinterließ bei der Besuch der letzten transmediale: Auf dem Festival, das sich mit Medien, Kunst, Technologie und Zukunft befasst, findet eins nicht statt: Kinder. Ich habe meine Gedanken dazu aufgeschrieben. Und auch die kommende re:publica wird zeigen müssen, ob sie ihr spät gebrachtes Versprechen, Kinder besser einzubeziehen, halten kann.

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Diese drei Ereignisse haben nicht viel miteinander zu tun. Und doch sagen sie etwas Wichtiges aus: Kinder finden in unserer Gesellschaft kaum öffentlich statt. Sie werden morgens in den Kindergarten gebracht, nachmittags abgeholt, möglichst auf Spielplätze verfrachtet und – bitte niemanden stören – bestenfalls mit in Eltern-Kind-Cafés mitgenommen. Das Problem erinnert nicht nur zufällig an unseren Umgang mit alten Menschen, die wiederum in ihre Räumlichkeiten geschoben werden. [Read more…]

Die Testsendung der Familiensendung bei DerSender – kurzes Resümee

Diese Woche war es endlich so weit: Patricia Cammarata (@dasnuf) und ich haben unsere Test-Sendung des noch namenlosen Familienmagazins bei DerSender absolviert. “Absolviert” klingt ein wenig sperrig, trifft es aber ganz gut: Das erste Mal in dieser Länge live vor der Kamera zu stehen, ist eine Herausforderung. Nachdem wir die Sendung ja als Test deklariert haben, hier nun ein paar Gedanken von mir dazu. Patricia hat ihre auch aufgeschrieben.

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Wir waren knappe anderthalb Stunden auf Sendung. Schön, dass wir eine selbst vorbereitete Sendung thematisch so füllen konnten. Eigentlich wollten genau 60 Minuten senden und das sollte auch die Ziellänge sein. Uns wurde mehrfach signalisiert, dass 80 Minuten zu viel sind. Das passt insofern für die Testsendung, als wir thematisch erst einmal alles aufgefahren haben, was wir uns regelmäßig als Rubriken vorstellen könnten. Das lässt sich definitiv straffen. [Read more…]

Was ist Hate Speech? Wie geht man um mit Hate Speech? – Neue Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung

Seit einiger Zeit befasse ich mich etwas intensiver mit ≫Hate Speech≪. Begriffe wie Hass, Hassrede, Hate, Hate Speech werden zurzeit viel in Diskussionen benutzt und es ist sicher nicht nur gefühlt richtig, dass in den Kommentaren und Social Media Kanälen teilweise sprachliche Umgangsformen herrschen, die nicht einmal mehr als Umgangsform bezeichnet werden können. Das Problem mit dem Begriff ≫Hate Speech≪ ist seine Ungenauigkeit, besonders im deutschsprachigen Raum. Schnell scheint Kritik als ≫Hass≪ abgestempelt zu werden. Damit verharmlost dieser inflationäre Gebrauch des Wortes eigentliche Missstände.

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Was fehlt, ist eine bessere Einordnung der Begrifflichkeiten und des Phänomens ≫Hate Speech≪. Ich freue mich daher, dass gerade die Broschüre »>Geh sterben!﹤ Umgang mit Hate Speech und Kommentaren im Internet« der Amadeu Antonio Stiftung erschienen ist. Auf den insgesamt 40 Seiten wird zunächst eine  sprachwissenschaftliche Einordnung vorgenommen. Verschiedene BloggerInnen und JournalistInnen berichten von alltäglichen Erfahrungen mit Hassrede und Strategien, damit umzugehen. Eine juristische und eine psychologische Einordnung runden die Broschüre ab. Namentlich haben unter anderem mitgewirkt Julia Schramm (ehemals Piratenpartei), Anatol Stefanowitsch (Professor für Sprachwissenschaft) Yasmina Banaszczuk (Netzwerkforscherin), Torsten Beeck (Spiegel Online), Anna-Mareike Krause (tagesschau.de), Jasna Strick (Feministin, Bloggerin, Aktivistin), Orkan Özdemir (Politiker). Einige standen bereits im Zentrum sehr persönlich gezielter, langer Shitstorms (was ist die deutsche Mehrzahl von Shitstorm?).

Ich bin noch nicht ganz durch die Texte durch, finde die Veröffentlichung aber schon jetzt einen wichtigen Beitrag zur Debatte, der neben einem theoretischen Hintergrund auch praktische Hilfe liefert.

Ich save ab, Du savest ab, er sie es… Wie das Wort “absaven” in den Duden kam.

Vor kurzem wurde ich durch @tante aufmerksam auf den Eintrag “absaven” im Duden. Dazu wird erklärt:

a. (EDV-Jargon) sichern, speichern
b. (umgangssprachlich) genau absichern

Nun behaupte ich ganz unwissenschaftlich: So ziemlich genau niemand verwendet das Wort als “EDV-Jargon” oder gar umgangssprachlich. Google findet dazu knapp 1.400 Treffer. Unter den ersten die meisten in Bezug auf den Duden-Eintrag. Ich habe mich daher an die Duden-Pressestelle gewendet und gebeten, zu erklären, wie und warum so ein Wort in den Duden kommt. Nach einigen Tagen erhielt ich folgende Antwort aus der zuständigen Redaktion: [Read more…]