Wahlplakat-o-mat – Runde 2: EU 2014 – schickt Fotos von Wahlplakaten!

Zur Bundestagswahl 2013 habe ich mit @bauersman in Anlehnung an den bekannten Wahl-o-Mat einen Wahlplakat-o-Mat ins Leben gerufen. Die Idee war, spielerisch Wahlslogans von Plakaten (den reinen Text) den Parteien zuzuorden – was  schwieriger ist, als man denkt. Die Reaktion auf das Projekt war sehr gut und es gab einige kurze Meldungen zum Beispiel auf Spiegel Online und Tagesschau.de.

Zur kommenden Europawahl 2014 starten wir eine neue Runde. Da die ersten Plakate bereits hängen, ist es nun an der Zeit, Fotos von Plakaten zu sammeln. Diesmal würden wir uns über Unterstützung freuen, denn das Rumfahren und Abfotografieren kostet in der Tat Zeit und beim letzten Mal konnten wir nur den Bereich Berlin abdecken. Daher folgender Aufruf:

Schickt uns Fotos von Wahlplakaten zur EU-Wahl 2014!

Folgendes ist dabei zu beachten: Auf einem Foto soll klar und deutlich ein Wahlplakat zu erkennen sein. Es dürfen nur aktuelle Plakate zur EU-Wahl 2014 teilnehmen. Die Plakate müssen “in the wild” aufgenommen werden – also keine Katalogfotos von Parteienwebseiten oder ähnliches.
Es dürfen nur selbstgemachte Fotos eingeschickt werden, da ihr uns erlaubt, diese Fotos im Rahmen des Projekts zu nutzen. Ihr verzichtet explizit auf eine Namensnennung.

Wie soll das ganze aussehen? So zum Beispiel:

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Wie soll es nicht aussehen?

Folgende Beispiele zeigen, welche Plakatfotos sich nicht eignen – zum Beispiel Plakate, die zwar zur EU-Wahl hängen, sich aber eigentlich auf einen Volksentscheid oder eine andere Wahl beziehen:

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Auch Fotos mit vielen Plakaten sind ungeeignet, da das eigentliche Plakat dort weder im Mittelpunkt steht, noch klar erkennbar ist.

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Plakate für Direktkandidaten können in der Regel nicht genommen werden, da sie keinen geeigneten Text enthalten.

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Und wohin die Fotos? Ihr habt folgende Möglichkeiten

  • Ihr schickt eine E-Mail mit Attachment an box.com (ein Dropbox-ähnlicher Dienst, der eingehende Attachments speichert und den Text einer E-Mail verwirft)
  • Ihr twittert das Foto mit dem Hashtag #wahlplakatomat (bitte achtet drauf, keinen Foto-Dienst zu nutzen, der das Bild stark komprimiert)

Der Wahlplakat-o-Mat soll am 1. Mai starten – Ihr hab Zeit bis zum 24.4.2014 Fotos einzuschicken. Danach müssen wir diese sichten, sortieren, auswählen – und abtippen :)

Könnt Ihr sonst was noch tun? Ja!

Der letztjährige Wahlplakat-o-Mat war mit der heißen Nadel gestrickt. Wir würden uns freuen, wenn jemand mit grafischem Händchen Logo und/oder etwas Gestaltung beitragen mag. Wendet Euch dafür an mich.

p.s.: “spruchomat” , die Software hinter dem Wahlplakat-o-Mat, haben wir unter einer OpenSource-Linenz veröffentlicht .

Über Brief-Einlagen und Kehrplätze – was in Basel anders ist als in Berlin

Mein heimlicher Fetisch beim Reisen sind gar nicht die großen Sehenswürdigkeiten. Es ist zwar schön, sie zu sehen, aber eigentlich wird eine Stadt erst interessant, wenn man aufmerksam durch die Straßen streift und auf die feinen Unterschiede achtet. Oft sind es Schilder, Verkehrsregeln oder andere Alltäglichkeiten, an denen man merkt, dass man eben woanders ist.

Diesmal war ich für zwei Tage in Basel(Schweiz) und habe die Zeit gefunden, meine Fundstücke ordentlich zu sammeln. Hier ein Best-Of-Basel-vs.-Berlin (das natürlich auch Unterschiede zwischen Schweiz und Deutschland zeigt):

#1 Der Briefkasten ist eine “Brief-Einlage” Weiterlesen

Wie meine Frau und ich uns per Siri überwachen. Und das Abendland noch steht.

“Siri, benachrichtige mich, wenn meine Frau zu Hause das Haus verlässt” spreche ich in mein Telefon und erhalte eine freundliche Bestätigung. Umstehende Menschen verfallen in eine Schockstarre. Überwacht da jemand seine Frau? Ist das Ende des Abendlandes erreicht? Doch beginnen wir von vorn…

Als Google letztes Jahr Latitude abgeschaltet hat, war ich betroffen: Ich habe den Ortungs-Dienst genutzt, um als Freiberufler besser Rechnungen zu stellen (Wo war ich vorletzten Dienstag?) und nachsehen zu können, wo Freunde und Verwandte sich gerade befinden. Besonders oft habe ich nachgesehen, wo sich gerade meine Frau befindet: Mit zwei Kindern ist die Familienkoordination manchmal etwas hektisch und wenn man weiß, wann jemand ungefähr zu Hause ist, ist das ungemein praktisch. Weiterlesen

Wie die BILD-Zeitung mich nicht abmahnte. Und ich um nicht geöffnete Archive trauerte

Vor ein paar Monaten erzählte mir ein Verwandter von seiner Flucht aus der DDR. Es war eine spannende Geschichte. Als er erwähnte, dass es wohl in der BILD-Zeitung einen kurzen Bericht dazu gab, beschloss ich, im Axel-Springer-Archiv danach zu suchen. Der Termin war schnell organisiert. Das Axel-Springer-Archiv in Berlin ist sehr gut sortiert, die Mitarbeiter freundlich und hilfsbereit. Nach Anforderung der entsprechenden Bände,  habe ich einen Vormittag lang dutzende BILD-Zeitungen aus den frühen 1980er Jahren durchgeblättert. Den gesuchten Artikel konnte ich leider nicht finden. Statt dessen aber verlor ich mich in den zeitgenössischen Artikeln, Fotos und Werbeanzeigen. Aus archivarischem Fetisch nahm ich einige Fotos von Artikeln und postete später einen Artikel zum Archiv-Besuch, in dem ich ausgewählte Artikel und Werbeanzeigen präsentierte. Weiterlesen

»You should know better« – wie ich mich per Browser-Plugin vor Autoren warnen lasse

Regelmäßig rege ich mich auf: Ich stoße auf einen Artikel im Netz, lese ihn, ärgere mich maßlos, lasse mich vielleicht noch dazu hinreißen, darüber zu twittern und bedauere letztlich die verschenkte Zeit.

Die virtuellen Plätze dieser Aufregung verdichten sich auf bestimmte Orte: Artikel auf faz.net haben ein hohes Ärger-Potential, wie auch Beiträge der rechtskonservativen welt.de. So entstand gemeinsam mit Jürgen @tante Geuter die Idee, ein Browser-Plugin zu entwickeln, dem man eine persönliche Liste von URL-Pattern geben kann, vor deren Lesen man sich warnen lassen möchte. Weiterlesen

Warum die NSA-Affäre niemanden wirklich stört? Vielleicht, weil selbst Facebook weniger trackt als Guardian und FAZ

Seit über einem halben Jahr läuft der NSA-Skandal. Seit über einem halben Jahr veröffentlichen insbesondere der britische Guardian und die New York Times  weitere Details aus den Snowden-Dokumenten. Zu der Veröffentlichungs-Strategie habe ich mich bereits hier und hier kritisch geäußert. Aktuell beschäftigt mich eine andere Frage: Warum interessieren die Snowden-Leaks zwar auf informativer Ebene, rufen zugleich aber keine statistisch relevanten Reaktionen hervor. Es ist von keinem ernsthaften Nutzer-Exodus zu lesen, es häufen sich keine Berge aussortierter Smartphones.+

Vielleicht ist ein Grund, dass wir den Skandal als aufregend skandalös empfinden und er uns bestens unterhält. Mehr aber nicht. Eine steile These? Werfen wir einen Blick auf die Nachrichten-Seiten, die an vorderster Front über die Leaks berichten, sich gegen Überwachung und Tracking stemmen und an der ein oder anderen Stelle auch schon mal einen Hauch von Anti-Amerikanismus durchblicken lassen… Weiterlesen

Guardian und Washington Post: Danke, aber jetzt gebt endlich die Snowden-Dokumente frei. Vollständig und sofort

Seit Monaten läuft die Veröffentlichung der Snowden-NSA-Leaks durch den Guardian und die Washington Post. Der Guardian hat dabei journalistischen Mut bewiesen und man kann ihm dafür danken. Und doch muss ich meine Forderung wiederholen: Gebt endlich die von Edward Snowden übergebenen Dokumente frei – vollständig und sofort.

Ende September habe ich die Frage gestellt, ob die Veröffentlichungsstrategie des Guardian noch ethisch vertretbar sei. Faktisch gibt es Dokumente, die Informationen darüber enthalten, welche Medien oder Personen abgehört werden. Es geht nicht mehr um theoretische Vermutungen, sondern um belastbare Beweise. Das Zurückhalten dieser Fakten setzt Menschen unnötig Gefahren aus. Ob es nun das Abfischen von unverschlüsseltem Traffic in Googles Rechenzentren ist oder das Abhören von Angela Merkels Handy:  Die Belege darüber schlummern seit Monaten in journalistischen Händen. Gebietet es nicht die publizistische Ethik, diese Dokumente endlich freizugeben? Weiterlesen

Wahlplakate raten mit dem Wahlplakatomat

Seit einigen Wochen hängen die Straßen voller Wahlplakate. Manche sind öde, manche sind lustig, manchen stimmt man zu, bei manchen schüttelt man den Kopf. Doch was genau steht da eigentlich geschrieben? Und ist es eine unverwechselbare Aussage dieser Partei? Um dieser Frage spielerisch nachzugehen habe ich gemeinsam mit dem Entwickler Andreas Bauer den Wahlplakatomat ins Leben gerufen:

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Wie funktiert es? Weiterlesen

Handelt der Guardian bei der verzögerten Veröffentlichung von Snowden-Leaks grob fahrlässig?

Seit einigen Wochen veröffentlicht der britische Guardian Informationen des NSA-Whistleblowsers Edward Snowden und widersetzt sich dabei Einschüchterungsversuchen. Ich habe großen Respekt vor dieser journalistischen Arbeit. Und doch habe ich mich schon länger gefragt, warum die Veröffentlichung in kleinen Schritten erfolgt. Dem Guardian liegen wohl alle Dokumente von Snowden vor und man zerlegt den Leak in kleinere Themen. Das macht journalistisch wahrscheinlich Sinn. Nicht einmal, um Aufmerksamkeit maximal zu steigern, sondern um jedes Thema einzeln in der Öffentlichkeit verhandeln zu können.

Und doch gibt es eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt: Ist die Vorgehensweise des Guardian nicht grob fahrlässig? Es handelt sich nicht um einen Leak, der Ereignisse der Vergangenheit in die Öffentlichkeit zieht (wie zum Beispiel die US-Depechen bei Wikileaks). Statt dessen wird nach und nach wird publik gemacht, welche Unsicherheiten aktuell durch bereits implementierte Überwachungsmaßnahmen bestehen. Es gibt damit zwei Probleme: 1. weiß die leakende Instanz bereits seit längerem, welche Kanäle unsicher sind – lässt aber Außenstehende darüber im Unklaren und 2. schürt man die Nutzung und das Vertrauen in Methoden, die bereits als unsicher einzustufen sind. Weiterlesen

Eine kleine Blattkritik (bei) der ZEIT

Letzte Woche Donnerstag war ich zu einer Blattkritik in der Redaktionskonferenz des Politik-Ressorts der ZEIT (Print) eingeladen. Der Haupt-Redaktionssitz der ZEIT ist in Hamburg – in Fußweite von Spiegel, Gruner&Jahr und anderen Medienhäusern, also ging es mit dem ICE und nur 50 Minuten Verspätung (hust) an die Elbe.

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(Das ZEIT/ZEIT-Online-Gebäude in Hamburg)

In der Konferenz saßen ein Dutzend Personen. Mir ist aufgefallen, dass der Anteil von Frauen und Männern sich gleich verteilte, was mich überrascht und erfreut hat. Ich wurde vorgestellt als Popcorn-Blogger, an einer Dissertation verzweifelnder Kulturwissenschaftler und in der Berliner Startups arbeitende Person aus der Netz-Szene. Das implizierte zurecht einen Bias meiner Kritik und stellte in dieser Mischung den Grund meiner Einladung dar. Weiterlesen