He’s dead, Jim: Danke für das erste Mal Science-Fiction

Es war 1987. Ich lebte, damals 9 Jahre alt, mit meiner Familie in Ost-Berlin in einer wunderschönen, heute unvorstellbar 170qm großen Wohnung in den Hackeschen Höfen. Da der Fernsehturm fast in Wurfweite ist, war der Fernsehempfang schlecht. Es wurde über die nahestehenden Häuser hinweggesendet. Wir hatten daher eine größere, bewegliche Fernsehantenne. Es gab – abhängig von der Antennenposition – ein paar Sender, die wir empfangen konnten: DDR1, DDR2, NDR, ARD und noch ein, zwei andere.

Ich wollte mal wieder mit der Antenne experimentieren und trug sie von einem Balkon auf den anderen, verlegte das etliche Meter lange Kabel durch die Wohnung und drehte an den Reglern des Schwarz-Weiß-Fernsehers. Da passierte etwas, was mein Leben prägte: Getaucht in analoges Fernsehrauschen erschien ein Raumschiff auf dem Bildschirm, begleitet von sonderlicher Musik und ein eine Stimme sprach von den Weiten des Weltalls.

Ich hatte den noch jungen Sender Sat.1 erwischt und es begann eine Folge „Raumschiff Enterprise“. Das erste Mal Science-Fiction in meinem Leben. Verrauscht, mit Blick auf Antenne und Kabelsalat auf dem Fußboden. Und zugleich aufregend, weil als “West-Fernsehen” ein bisschen verboten. Dann tauchte da noch diese logische, spitzohrige Figur mit den stumm kommentierenden Augenbrauen und den haarspaltenden Bemerkungen auf.  Ich war gerade in der dritten Klasse, lernte im Pionierzentrum (sic) BASIC auf dem Robotron KC87 und war in der Mathematischen Schülergesellschaft. Man konnte in der DDR ganz gut Nerd sein, aber es brachte nicht unbedingt sozialen Anschluss. Spock war da ein klein wenig Role Model. Heute kann ich darüber lächeln. Und doch berührt es mich, dass Leonard Nimoy gestorben ist. Auf Twitter war er nebenan.

In diesem Sinne: Danke.

1957 gab es zwar Computer, aber keine “Programmierer”

Der Begriff “Programmierer” ist heute normal im Sprachgebrauch. Doch es dauerte seine Zeit, bis der Begriff tatsächlich genutzt wurde. Während in den 1950er Jahren, Programmiertätigkeiten im militärischen, staatlichen und wirtschaftlichen Bereich zunahmen, fehlte es noch an einer Tätigkeitsbeschreibung. Der niederländische Informatiker Edsger W. Dijkstra schreibt dazu Anfang der 1970er Jahre in “The Humble Programmer” rückblickend auf seine ersten Jahre:

Another two years later, in 1957, I married and Dutch marriage rites require you to state your profession and I stated that I was a programmer. But the municipal authorities of the town of Amsterdam did not accept it on the grounds that there was no such profession. And, believe it or not, but under the heading “profession” my marriage act shows the ridiculous entry “theoretical physicist”!

p.s.: Ich werde hier in Zukunft kurze inhaltliche Auszüge aus meiner Dissertation  verarbeiten.

Snowden ist… wie Georg Elser und sein Attentat auf Hitler

Nachdem ich gerade festgehalten habe, wie in der Morgenandacht auf Deutschlandfunk Snowden von einem Pfarrer als Prophet bezeichnet wurde, wurde ich darauf hingewiesen, dass er nun auch mit Georg Elser und dessen Attentat auf Hitler verglichen wird: Der deutsche Regisseur Oliver Hirschbiegel (u.a. “Der Untergang”) wird wie folgt zitiert:

German director Oliver Hirschbiegel believes the carpenter who tries to assassinate Hitler in his new film “13 Minutes” can be compared to U.S. whistleblower Edward Snowden for taking a stand against attempts to limit freedom.

Das ist natürlich auch Berlinale-Film-PR. Interessant ist aber, dass die Snowden-Vergleiche (Prophet, Stauffenberg, usw.) hinreichend salonfähig sind, um versendet werden zu können.

Einfach mal weitersammeln.

 

12 von 12 im Februar 2015

Wie schon im in den letzten Monaten hat mich @fraumierau auch im diesen Monat aufgefordert, meine 12 von 12 zu liefern. Und los… (p.s.: Die Sicht von @fraumierau auf diesen Tag gibt es hier.)

Der Tag begann mit Aufwachen um 5 und so unbeschreiblichen Kopfschmerzen, dass der Rest des Tages schön wurde, weil er ohne Kopfschmerzen weiterging.

1. Frühstück

Es gibt ein schnelles Alles-auf-den-Tisch-Stellen-Frühstück.

2015-02-12 19.50.45 [Read more…]

Jetzt mit Kirchen-Siegel: Snowden, der Prophet

Edward Snowden ist Projektionsfläche. Jürgen Geuter hat gerade in einem Vortrag auf die religiöse Komponente des Märtyrertums bei Whistleblowern hingewiesen. Da passte es perfekt, als in der Morgenandacht im Deutschlandfunk (11.2.2015) nun auch kirchlich offiziell der Bogen zum Prophetentum geschlagen wird. Interessant ist Dramaturgie im Text, die Snowden zunächst bewusst nicht als Prophet bezeichnet, um dann mit der klaren Aussage “Propheten verdienen unseren Schutz” zu enden.

Die Andacht kann online nachgehört werden:

Ich habe den relevanten Teil der Andacht transkribiert: [Read more…]