Asien zum Hören: zwei neue Podcasts über Ostasien und Japan

Asien ist wirklich weit weg. Nicht nur geographisch, sondern thematisch. Ich gebe ganz offen zu: Ich habe keine Ahnung von politischen und historischen Hintergründen und mir fällt es schwer, aktuelle Nachrichten richtig einzuordnen. Daher freut es mich, dass es jetzt zwei neue Podcasts gibt, die sich diesem Themenfeld widmen:

Fernostwärts

Im Podcast “Fernostwärts” widmen sich die Journalistin Katharin (@whitey_chan) und der angehende Sinologe/Informatiker Nils (@ningwie) aktuellen und historischen Themen Ostasiens. Ich habe die Folge 1 über Demokratie in Hong Kong gehört und konnte eine unbeschreibliche Bildungslücke über diese Stadt füllen. Danke dafür. Mit Katharin habe ich bereits in meinem Podcast Leitmotiv gesprochen (und es freut mich, dass sie die dort angedeutete Absicht eines Ostasien-Podcasts nun in die Tat umgesetzt hat).

Japanbezug

Im Podcast “Japanbezug” wird der angehende Japanologe Niels Kobschätzki (@niels_k) das Land abseits der recht geringen Berichterstattung thematisieren. In der ersten Folge widmet er sich statistischen Fakten, ich freue mich auf kulturelle, historische und politische Erklärungen in den nächsten Episoden.

Videostreaming ist kaputt. Danke für nichts – Netflix, Apple, Amazon, Google, Sky und Telekom.

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Zur Zeit stapeln sich in meiner Wohnung: Eine T-Entertain-Box, ein Apple-TV, eine Google Chromecast und bald kommt noch die Amazon Fire TV hinzu. Daran geknüpft sind unzählige Accounts, von Apple iTunes über Watchever, dem unbekannten Mubi bis zu – seit gestern – dem deutschen Netflix. Jeder Bestellung wohnte immer wieder die Hoffnung inne, jetzt endlich ein Gerät und eine Plattform zu finden, mit der man aktuelle Serien wahlweise in deutsch oder englisch in guter Bildqualität sehen kann. Nachdem ich gestern Abend versuchte, Suits über Netflix auf der Chromecast zu gucken und ich vor einem verwaschenen Bild mit einem unerträglich zeitversetztem Ton saß, ist etwas in mir zerbrochen. Ich habe keine Lust mehr. [Read more...]

Kurz notiert: Warum Suchmaschinen ihren Algorithmus nicht offenlegen aber transparenter werden sollten

Nachdem Justizminister Heiko Maas (SPD) erst kürzlich Google mit der Zerschlagung gedroht hat, fordert er nun eine Offenlegung des Such- bzw- Sortierungsalgorithmus der Suchmaschine. Diese Forderung klingt zunächst, als stünde sie im Interesse der Verbraucher, denn Transparenz ist ja gut. Dass dem nicht so ist, hat Jürgen Geuter schon vor über einem Jahr dargelegt: Ein transparenter Suchalgorithmus wird das unsympathische und schädliche Wettrüsten der SEO-Spezialisten noch weiter steigern. Der jetzige Status Quo des Wir-wissen-nicht-genau-wie-es-funktioniert ist nicht schön, aber wohl der bessere Kompromiss, bevor eine hochoptimierte Suchmaschinen-Spamwelle das Netz erschüttert.

Was hingegen transparenter sein sollte, ist die Personalisierung. Das Personalisieren von Suchergebnissen ist eine durchaus positive Eigenschaft, da sie die Transaktionskosten bei einer Suche erheblich senken können.  Auch dies hat Geuter ausführlicher dargelegt. Wenn mir eine Suchmaschine Ergebnisse personalisiert, möchte ich aber gern genauer nachvollziehen können, warum sie Ergebnisse wie sortiert und ggfls. darauf Einfluss nehmen können. Bei Amazon kann man sich bereits teilweise erklären lassen, warum Produkte empfohlen werden und die Entscheidungsgrundlage (z.b. angesehene oder gekaufte Produkte) entfernen oder diese Ergebnisse zukünfig ausblenden lassen. Dies ist für Suchmaschinen sicher komplizierter zu vermitteln, aber es würde mein Vertrauen stärken und gepaart mit der Möglichkeit einfach auf vollständig unpersonalisierte Ergebnisse zu wechseln einen deutlichen Mehrwert bieten.

Und übrigens, Googles PageRank-Algorithmus ist bereits in Teilen öffentlich. Viel Spaß beim Verstehen:

“Was die AfD sagt – was die AfD meint” – warum es mehr braucht als Popcorn in der Auseinandersetzung mit der AfD

Gestern hat die AfD bei den Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg jeweils über 10% geholt. Ich wurde in den letzten Monaten öfter darauf angesprochen, doch mal ein “Popcorn-Blog” über die AfD zu starten. Offenbar in der Hoffnung, es hätte entweder eine auf die Partei erodierende Kraft oder würde potentielle Wähler vor der Wahl abschrecken. Das funktioniert im Fall der AfD jedoch nicht. Es gibt im Netz bereits viele satirische, sarkastische und sonstwie überspitzte Blogs und Twitter-Accounts über die AfD. Material haben sie genug, denn es gibt in dieser jungen Partei genügend Popcorn: Interne Machtkämpfe, Fehlgriffe in der Kommunikation, geschmacklose Äußerungen, misslungene Pressearbeit. Ein Witzeln über diese Fehltritte kommt jedoch nur bei einer bestimmten Zielgruppe an, die bereits eine klar ablehnende Haltung gegenüber der AfD hat. Im Fall der Piraten war und ist das anders.

Die AfD schützt sich überdies mit einem Kniff gegen öffentlichen Meinungsdruck, dem nur schwer beizukommen ist. Heute morgen äußerte sich der AfD-Europa-Abgeordnete im Deutschlandradio so:

Das Resultat haben die Wähler in diesen drei Bundesländern der “Bild”-Zeitung auf den Tisch gelegt, wie überhaupt es ganz interessant ist – und das finde ich das Phänomen und das Faszinierende an dieser Partei: Sie kämpft ja nicht nur gegen die politische Konkurrenz, die aus dieser ehemaligen angeblichen Ein-Thema- und dieser Professorenpartei oder Alte-Herren-Partei immer wieder versucht hat, eine rechtslastige, rechtspopulistische Partei zu machen. Sie kämpft auch gegen die überwältigende Übermacht der deutschen Medien.

Jeder mediale Angriff – wie ihn Parteien in einer Demokratie aushalten müssen – stärkt unter dieser Voraussetzung den inneren Zusammenhalt und die eigene Position, statt sie zu schädigen. Ob es gerechtfertigt ist, sich als Medien-Opfer zu inszenieren steht dabei außer Diskussion. Die Frage ist, welche Wirkung es hat. Im selben Interview zeigt Henkel auch, in welche Richtung die AfD nun argumentativ geht:

Ich habe gesehen, wie in Görlitz zum Beispiel es antipolnische Ressentiments bei den Deutschen gibt, und wir wissen ja alle, dass es nur ganz wenige Polen sind, die dort klauen und über die Grenze gehen und das Crystal Meth einführen. Das ist ein kleiner Teil der polnischen Bevölkerung, aber er führt dazu, dass die Deutschen irgendwelche Vorbehalte gegen Polen bekommen. Und auf der anderen Seite von Görlitz kann man erleben, dass die Polen sich darüber aufregen, dass sie von den Deutschen alle in einen gleichen Topf geworfen werden. Man sieht hieran, dass etwas, was gut gemeint war, genau das Gegenteil von dem bewirkt, was es bewirken sollte.

Deshalb muss man auch über die Grenzkriminalität in Deutschland reden dürfen, ohne gleich in die rechte Ecke gesteckt zu werden. Übrigens haben die Analysen der Wählerwanderung ja eindeutig gezeigt, wo die Wähler herkommen. Sie kommen nicht von rechts. Sie kommen von der CDU, sie kommen von der FDP, sie kommen von der SPD, sie kommen von den Linken. Also ich glaube, dieses Geschwätz von dem Rechtspopulismus dieser Partei, das muss endlich mal aufhören. Es ist letzten Endes auch eine Beleidigung der Wähler, nämlich der zehn Prozent, die uns in diesen drei Bundesländern inzwischen das Vertrauen gegeben haben.

Wenn ich Politik-Berater wäre, würde ich für diese Formulierungen volle Punktzahl vergeben. Henkel stellt sich nicht hin und sagt “kriminelle Polen sind ein Problem”, sondern zeig sich überrascht und mitfühlend – gegenüber Deutschen und Polen, um dann darauf sprechen zu kommen, dass man da doch etwas machen müsse. Im Interesse aller. Der Wählerstrom aus dem gesamten Parteienspektrum passt da nur zu gut ins Narrativ.

Wie also umgehen mit der AfD? Da Popcorn, Empörung, Sarkasmus und beständiges Verweisen auf Rechtspopulismus nicht funktionieren, ist das Mittel der Wahl die Übersetzung. Geschickte Interviews wie das von Henkel und sonstige Inhalte der AfD müssen in einer Übersetzungsleistung verständlich seziert werden. Es muss eine inhaltliche Auseinandersetzung stattfinden, die Protestwählern das Gesamtpaket zeigt, für das sie stimmen. Es muss gezeigt werden, was die Implikationen politischer Forderungen sind. Es muss an den Wähler direkt herangetragen werden, was diese Forderungen für ihn bedeuten. Mehr Bildblog und Sendung mit der Maus, statt kurzem Aufreger. Eben klarstellen: “Was die AfD sagt – was die AfD meint”. Das ist dann auch eine Auseinandersetzung, die schwieriger als Medienschelte abzutun ist.

Kurz notiert: Der Leak als Wahlkampfmittel: Greenwald, Snowden und Assange unterstützen Dotcom gezielt kurz vor der Wahl

In einer knappen Woche – am 20. September – findet in Neuseeland die Wahl zum Parlament statt. Diesmal wirbt auch Mega-Unternehmer Kim Dotcom mit der “Internet Mana“-Partei (einem Zusammenschluss seiner Internet Party und der älternen Mana Movement) um Stimmen. Bereits im Juli hatte Dotcom einen “Leak” angedeutet, der den aktuellen Präsidenten Neuseelands diskreditieren wird. Für die Verkündigungsveranstaltung war auch schon im Juli der durch die Snowden-Leaks bekannte Journalist Glen Greenwald bekannt. Mir kam das damals schon merkwürdig vor. Enttäuscht wurde ich nicht: Greenwald stellt sich nun eine Woche vor der Wahl auf die offene politische Bühne und trägt vor, dass Neuseelands Premierminister John Key ein Überwachungsprogramm zu verantworten habe. Key dementiert, Greenwald steuert dagegen und erklärt noch einmal, Dokumente aus dem Snowden-Archiv zur Bestätigung seiner Behauptungen zu veröffentlichen.

Ob es ein Überwachungsprogramm in Neuseeland gibt, steht hier außer Frage. Wichtiger scheint die Frage, ob in Zukunft in Wahlkämpfen mit zeitlich gezielten Leaks zu rechnen ist. Und die damit einhergehende Frage, ob dieser Einsatz legitim ist.

Update: Auch Snowden und Assange sind direkt involviert:

Update #2:

Offenbar präsentiert Snowden den neuen MEGA Videochat: