Wie alt ist Borland-Gründer Philippe Kahn?

Vorab: Ich zähle mich nicht zu den Wikipedia-Nörglern. Ich halte Wikipedia, die auch gern liebevoll nach der Kinder-Serie “Fraggles” als “Allwissende Müllhalde” bezeichnet wird – für einen guten Einstieg in ein Thema und als Kulturwissenschaftler für eine interessante Quellen kanonischen Wissens, das, so betrachtet,  ein gutes Werkzeug ist.

Etwas stutzig wurde ich aber, als ich vor wenigen Tagen mich über Philippe Kahn, dem Gründer von Borland, informieren wollte. In der Regel ist es sinnvoll, neben dem deutschen auch den englischen Artikel zu lesen, da diese bei nicht-deutschen Themen zumeist deutlich länger sind. Das traf auch diesmal zu und wäre keiner weiteren Erwähnung wert, wenn nicht eine evidente Diskrepanz zwischen den beiden Artikeln schon in der ersten Zeile auftauchte:

deutschsprachige Wikipedia

Philippe Kahn - Wikipedia (de)

englischsprache Wikipedia

Philippe Kahn - Wikipedia (en)

Im deutschsprachigen Artikel ist Kahn also zehn Jahre älter als im englischsprachigen. Der Fehler soll nicht dazu dienen, in die übliche Qualitätsdiskussion einzusteigen, die nichtzuletzt Markus Reiter in “Dumm 3.0: Wie Twitter, Blogs und Networks unsere Kultur bedrohen” wieder eröffnete (eine Rezension folgt demnächst), sondern auf zwei Dinge hinzuweisen:

Man kann nicht oft genug betonen, dass Daten falsch sein können. Das erstaunliche an diesem Fall ist, dass es sich um sehr triviale Fakten handelt, denen man beim Lesen sicher am wenigsten misstrauen würde. Im vorliegenden Fall zieht sich der Fehler nicht nur durch die Wikipedia, sondern scheint sich – vielleicht von ihr ausgehend oder von ihr nur multipliziert – über das gesamte Internet zu erstrecken, wie Web-Suchen nach “Philippe Kahn 1952″ bzw. “Philippe Kahn 1962″ belegen. Hier die richtige Information auszumachen, ist also plötzlich keine ganz triviale Aufgabe mehr.

Interessanter aber scheint die Frage, wie eigentlich mit diskreten Daten zwischen verschiedenen Sprachversionen des selben Artikels auf Wikipedia umgegangen wird. Ich kenne mich nur wenig mit MediaWiki, der Software hinter Wikipedia aus. Ich vermute aber, dass es bis jetzt nicht die Möglichkeit gibt, bestimmte Daten wie Datumsangaben, Maße, usw. zentral und semantisch für einen Artikel für alle Sprachversionen festzulegen, so dass es eine Abweichung bei diesen Daten nicht geben kann. Es gibt sicher viele Daten und Fakten, die von Sprachversion zu Sprachversion verschieden dargelegt und auch durch verschiedene Kulturkreise unterschiedlich interpretiert werden, “harte Fakten” jedoch könnten hier vereinheitlicht abgelegt werden und würden sich auch die Kommunikation zwischen den Sprachversionen, bzw. zwischen den entsprechenden Autoren anregen.

Zumindest denkbar wäre schon heute eine automatisierte Suche nach verschiedenen Datumsangaben auf verschiedenen Sprachversionen, wenn auch die verschiedenen Notationen dies erschweren:

Notation auf der deutschen Seite:

”’Philippe Kahn”’ (* [[16. März]] [[1952]])

Notation auf der englischen Seite:

”’Philippe Kahn”’ (born March 16, 1962)

Vielleicht gibt es so ein Projekt schon – über einen Hinweis freue ich mich.

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Berliner Gazette erhält “Alternativen Medienpreis” 2010

Ich freue mich, mitteilen zu können, dass das Mini-Feullieton “Berliner Gazette” dieses Jahr mit dem ersten Platz des “Alternativen Medienpreises” prämiert wurde. Als Vereinsmitglied und technischer Redakteur bin ich in den letzten zwei Jahren zum Projekt gestoßen und konnte erst unlängst in einer sehr produktiven Arbeit mit Marcel Eichner, Krystian Woznicki und Magdalena Taube das Format auf eine neue Plattform umstellen und neu gestalten, so dass die Berliner Gazette sich nun perfekt zur Prämierung im neuen Gewand präsentiert. Ebenso erfreulich ist unser Nachbar beim Medienpreis, das bekannte Blog netzpolitik.org vom Internet-Aktivisten Markus Beckedahl, gratuliere ich auf diesem Weg.

Weitere Informationen finden sich in der Ankündigung auf berlinergazette.de.

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Aprilscherz-Dystropien 2010 – Jahr des Abmeldens

Jedes Jahr aufs Neue sammle ich am 1. April im Netz gefundene Aprilscherze. Ohne mich mit geschichtlichen und kulturellen Hintergründen des “fools day” befasst zu haben, war schon früh deutlich, dass April-Scherze eine besondere Art des Aufzeigens möglicher (Schreckens-)Szenarien sind. Und so musste man auch in diesem Jahr aufpassen, wenn Google plötzlich einen Atomreaktor betreibt, in der Berliner S-Bahn während der Fahrt Techniker zur Sicherheit patrouillieren, für E-Mail Porto erhoben wird, Arbeitslose Kaufmannsladen spielen sollen und der Teilchenbeschleuniger doch nicht ganz so sicher ist, wie offiziell behauptet. Ein April-Scherz soll weniger lustig als vielmehr möglich, weil annehmbar sein.

Paradox wird es, wenn man “richtige” Nachrichten am 1. April noch einmal gegenprüft, weil man sie zuerst für absurd, erfunden, eben für einen Scherz hält. Eine dieser Nachrichten, war die Mitteilung, dass ab dem 1. April das Recht bestehe, einmal im Jahr kostenfrei bei Scoring-Agenturen wie Schufa und Creditreform den eigenen Punktezustand und eine verständliche Erklärung zu erfragen. Eine verständliche Erklärung des Punktestandes und dessen Berechnung. Kostenfrei. Das sind gleich drei Aprilscherze auf einmal. Nein: Seit dem 1. April gilt ein umfassendes Auskunftsrecht und die Verbraucherzentralen haben bereits Musterbriefe bereitgestellt, mit denen das wirtschaftliche Äquivalent zum Sich-selbst-Googeln angestoßen werden kann.

So wurde der 1. April und Beginn des 2. Quartals auch gleich Erinnerung an eines meiner Vorhaben für dieses Jahr: Das Projekt “Ich melde mich ab!”. Geplant ist eine sehr einfach gehaltene Webseite, die mit einer nahezu banalen Schnittstelle dem Nutzer das Erstellen ausgefüllter und druckbarer Musterbriefe zum Abmelden bei diversen Diensten abnimmt: Payback, Happydigits und weiterer Bonussysteme und Datensammel-Stellen . Warum nicht auch gleich die Schnittstelle nutzen und Auskunftsanfragen an Scoringunternehmen erstellen lassen? Brief ist Brief. Und die Auskunftssperre fürs Bürgeramt wird gleich noch drauf gelegt. Es ist nie zu spät für ein Jahresmotto – 2010 wird das Jahr der Abmeldungen.

Und hier die Liste der 2010 gesammelten Aprilscherze – vielen Dank auch an mnemonikk für das Zusammentragen. Die Liste ist unvollständig, unsortiert und vermischt deutsche, englische, kulturelle, politische und technische Aprilscherze.

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Widersprüchliches Interview mit Markus Reiter in der Zeit

Die ZEIT hat ein recht laues Interview mit Markus Reiter, ehemaliger stellvertretender Chefredakteur von Reader’s Digest Deutschland und von 2000 bis 2002 Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, gebracht, das eher wie das Abfragen einer Inhaltsangabe seines Buches “Dumm 3.0: Wie Twitter, Blogs und Networks unsere Kultur bedrohen” gewirkt. Dabei überrascht Reiter bereits in den ersten zwei Antworten mit einem eklatanten Widerspruch, der irgendwie den Rest des Interviews kaum noch lesenswert scheinen lässt:

ZEIT ONLINE: Wer ist denn Ihrer Meinung nach Dumm 3.0?

Markus Reiter: Im Netz lässt sich schwierig herausfinden, wer dumm ist und wer nicht. Das ist ja genau das Problem. In der alten Welt der Medien gab es Gatekeeper, also zum Beispiel Journalisten, die versuchten, das Gute und das weniger Gute, das Richtige und das Falsche zu trennen. Und wenn es diese Institutionen eines Tages nicht mehr gibt, dann müssen Sie all das selber machen. Und vor dieser unglaublichen Menge an Informationen werden viele kapitulieren.

ZEIT ONLINE: Aber findet im Netz nicht vielmehr eine unglaubliche Demokratisierung statt?

Reiter: Ich glaube, dass das eine Täuschung ist. Letztlich werden sich im Netz jene soziodemografischen Eliten behaupten, die sich auch in der alten Welt behauptet haben. Also die Zahl der mit Relevanz bloggenden Münchner Taxifahrer mit Migrationshintergrund oder der bloggenden Kriegerwitwen ist beschränkt. Wenn Sie sich anschauen, wer im Netz relevante Kultur oder Information produziert, dann sind das Leute, die entweder in den alten Medien bereits Erfolg hatten, oder die in den alten Medien Erfolg gehabt hätten, wenn es das Internet nicht gegeben hätte.

Quelle: zeit.de

Das Netz, wie es ist, ist also schlecht, weil man nicht wisse, was gut sei – früher habe das  der Journalist vorgefiltert. Zugleich aber widerspricht Reiter Demokratisierungs-These mit der Behauptung, dass im Netz ja eben die Personen sich durchsetzen, die sich ohne das Netz auch durchgesetzt hätten. Letztendlich hieße das, dass die Filterfunktion des Journalisten nun mit dem selben Ergebnis ohne ihn wahrgenommen wird. Merkwürdig.

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Niedergang und Aufstieg des Filmkorns

Bisher ist das Filmkorn an mir vorbeigezogen. Ich habe es nicht wahrgenommen. Es war einfach da. Doch jetzt, da es weg ist, vermisse ich es und frage mich, was es eigentlich war.

Doch von vorn: Mit dem Kauf eines HD-Fernsehers und dem Empfang von immer mehr Sendungen in hochauflösender HD-Qualität kommt man in den zweifelhaften Genuss, Bilder am heimischen Fernseher gestochen scharf zu sehen. Zweifelhaft ist dieser Genuss durch eine Tendenz zur Hyper-Realität: Ein Bild in HD-Qualität auf einem großen Fernsehgerät erschlägt einen fast mit Schärfe und Details. Plötzlich wird die Maske der Schauspieler sichtbar, Farben wirken oft erschreckend kühl, das Bild strahlt eine unnachgiebige Schärfe aus, die bei aller Faszination unangenehm ist.

Diese Schärfe ist natürlich nicht das einfache Ergebnis nur eines neuen Fernsehgerätes. Das Gerät gibt letztlich nur wieder, was ihm als Material übergeben wurde. Hier kann man ganz fachunkundig zwischen zwei Typen unterscheiden: hochauflösende Inhalte, die eigens für HD-Fernseher ausgestrahlt werden und nicht hochauflösende Inhalte für das klassische (jetzt ist es schon klassisch!) Fernsehen. An dieser Stelle sollen nur die hochauflösenden Inhalte interessieren – die zufriedenstellende Darstellung klassischer Inhalte auf einem HD-Fernseher ist eine Technik-Geschichte voller Missverständnisse für sich.

Hochauflösende Inhalte jedenfalls gibt es theoretisch zur Genüge: Die meisten Kinofilme der letzten Jahrzehnte wurden auf 35mm-Film gedreht, einem analogen Medium mit so hoher Auflösung, um auch auf der Kinoleinwand eine mehr als gute Figur zu machen. Für das klassische Fernsehen wurde dies bisher “runtergerechnet”, das heißt auf die geringe Auflösung angepasst. Für HD-Fernseher nun gibt es plötzlich die Möglichkeit, auch diese Kinofilme in deutlich höherer Auflösung noch einmal nach Hause zu bringen. Und wenn es gut gemacht ist, sieht es gut aus – keine Frage. Neben der DVD spielt hier die neuere BlueRay-Disc ihr Können aus.

Doch neben den bisher auf 35mm und auch 16mm gedrehten Filmen gibt es neue Kinofilme, Dokumentationen und Inhalte beliebiger Art, die auf modernen Kameras passend zum neuen Medium gedreht werden: Digitale Kameras mit Speicherchips. Diese werden verstärkt genutzt, denn die Arbeitskette ist ideal: Digitaler Dreh auf Chips, digitale Bearbeitung, digitales Senden. Auch wenn die digitale Filmtechnik an dieser Stelle vieles einfacher macht, hat sich eines grundlegend geändert: Die Filmstruktur. Film als analoges Medium hatte chemische Eigenschaften, die der Zuschauer bewusst oder unbewusst wahrgenommen hat. Insbesondere das “Filmkorn” (im englischen “grain” genannt) gab dem 35mm- und auch 16mm-Film seine grundlegend warme und edle Einfärbung, die ihn schon immer von anderen Filmformen unterschied. Es ist dieses wohlige “Krisseln” auf der Kinoleinwand, dass man nie als Bildstörung, sondern als angenehme Struktur wahrnahm. Auch das klassische Fernsehen mit seiner aus heutiger Sicht geringen Auflösungen (PAL zum Beispiel mit nur 625 Zeilen) “verwusch” Bilder derart, dass sie eine natürliche Wärme erhielten – unabhängig von der Studioaufnahmetechnik zum Beispiel.

Mit der digitalen Technologie nun gibt es weder chemische Strukturen, die das Bild in “grain” zerkrisseln, noch ist die Auflösung so gering, dass sich eine gewisse natürliche Bild-Wärme ergibt. Das digitale Bild zeigt ganz erbarmungslos das, was auf den Lichtsensor trifft: scharfe Kanten, winzige Details. Der Abdeckstift hat keine Chance. Und so ist die Euphorie beim hochauflösenden Fernsehempfang schnell ganz ambivalent. Das diesjährige Neujahreskonzert der Wiener Philharmoniker etwa war optisch zwar absolut hochauflösend, aber zugleich auch eine Zumutung, weil es einfach anstrengend ist und irgendwie angenehme Bildwärme, die an dieser Stelle zum Beispiel zur Musik passt, durch harte optische Details ersetzt wird.

Und so gibt es zwei Auswege aus dem aktuellen Unwohlsein. Der erste ist ein sozialer: Da Sehgewohnheiten natürlich ein kulturelles und kein angeborenes Phänomen sind, ist es nur eine Frage der Zeit, bis man sich an die neue Hyper-Realität und Über-Schräfe gewohnt hat und auch in ihr ein gewisse Harmonie und Ruhe des Bildes findet. Doch so recht will man es nicht glauben und Lust auf eine Umgewöhnungsphase um der neuen Technik Willen, wer möchte das schon? So ist die zweite Lösung eine pragmatisch-technische: Dem digitalen Film wird einfach ein künstlicher “grain” zugefügt. Das gewohnte Filmkorn wird also durch elektronische Zufallsmuster wieder als Struktur über Aufnahmen gelegt. Vorher Bedingtheit des Mediums, nun stilistisches Mittel.

Und so wird nach einer kurzen Verschärfung wohl wieder alles beim alten sein: Film, der mit einer Körnigkeit seinen (vom Inhalt unabhängigen) fiktionalen Charakter unterstreicht und dem Zuschauer trotz hoher Bildauflösung ein wohliges Gefühl vermittelt. Das klingt ein wenig unpoilitisch, ist es auch – aber medientheoretisch interessant. Regisseur Peter Jackson sagte dazu ganz passend: “If you shoot at 4K, but want a “film look”, then you finish at 2K and add some grain. It’s easy. It looks like film.”. Ja, it looks like film, ist aber keiner und das Filmkorn ist einer digitalen Renaissance wieder auferstanden.

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Interview auf Caroma Club/Fritz! zu Hacker-Filmen

Überraschend wurde ich zum 2. Januar in die Sendung “Caroma Club” auf Radio Fritz! eingeladen, um mit Moderatorin Caro über Hacker-Filme zu sprechen. Mit dem  Thema setze ich mich nun seit längerem auseinander und habe 2009 bereits auf dem Hacker Space Festival (Paris) darüber gesprochen.

Ein Mitschnitt des Interviews kann hier gehört werden:

Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.

Alternativ gibt es einen direkten Download hier.

Weitergehende Informationen zu den angesprochenen Themen:

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The hack will not be televised? Wenn der Bildschirm im Bildschirm flimmert

Nur eine kurze Notiz: Nachdem ich dieses Jahr bereits auf dem Hacker Space Festival in Paris auf der Basis meiner Liste von Hacker-Filmen über “The only Mov(i)e is … Hacker in Movies” gesprochen habe, wollte ich das Thema für den Chaos Congress Ende dieses Jahres von der kinematografischen Seite her aufrollen. Leider ist der Congress mit Vortragenden überrannt und so wurde mir nun doch noch kurzfristig abgesagt.

Abstract des Vortrags:

The hack will not be televised? Wenn der Bildschirm im Bildschirm flimmert

Hacker-Filme müssen rekursiv im Medium Film arbeiten: Sie versuchen, das schwer darstellbare Moment eines Hacks durch Präsentation von Bildschirm-Sequenzen zu zeigen. Die oft kurzen Szenen weisen ein überraschend breites Spektrum von detailgetreuen Abbildungen bekannter Tools hin zu fiktiven 3D-Welten. Diese breite Palette an Präsentationsformen ist zum einen interessant, verweist zum anderen aber auch auf die Schwierigkeiten der medialen und damit populären Vermittelbarkeit eines Hacks und des Sujets “Hacking” an sich.

Der Vortrag präsentiert Szenen aus bekannten und unbekannten Filmen und geht der Frage nach, welches Hacker-Bild durch die kinematografische Aufbereitung des Hacks als performativem Akt vermittelt will.”

Erfreulicher Weise gibt es bereits Interesse von anderer Seite für einen Vortrag im Frühjahr 2010.

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Lesung “Vernetzt”, am 22.9.

Am 22.9. findet eine Lesung aus dem jüngst erschienen Buch “Vernetzt” statt. Im offiziellen Akündigungstext heißt es dazu:

Lesung aus Vernetzt
Monarch, Skalitzerstr. 134
22.09.2009, 20.30 Uhr

“Vernetzt” [Verbrecher Verlag, 2009] ist das neue Buch der Berliner Gazette, herausgegeben von Krystian Woznicki, der sich nach zehn Jahren Chefredaktion nun vor allem als Vorstandsvorsitzender des Berliner Gazette e.V. verdient machen will. Ueber 40 “Kreative” aus diversen Laendern haben fuer das Buch geschrieben, inzwischen wird es auch vielerorts gelesen, u.a. von Journalisten, die es zum oeffentlichen Gespraechsthema machen. Anton Waldt von der Zeitschrift fuer elektronische Lebensaspekte De:Bug haelt fest: “Die Geschichten kreisen um das Thema, was freischaffende Kreative mit dem Internet anfangen und was das Internet mit ihnen anstellt. Erkenntnisse blitzen dabei in angenehmer Frequenz auf, die grosse Buhei-Trommel der Netz-Utopien wird einfach links liegen gelassen.”

Auch Frederic Valin von Spreeblick hat “Vernetzt” gelesen und meint: “Jeder Text hat den Charme eines ueberraschenden Gespraechs an einem Tresen mit einer Person, die schonmal was erlebt hat und davon, manchmal besser, manchmal schlechter zu erzaehlen hat. Kurzum: Es ist ein Buch, mit dem man ein Bier trinken gehen moechte.” Marietta Schwarz vom Deutschlandfunk sieht es im Grunde nicht anders, wenn sie ueber das Buch befindet: “Handfestes und Reflektionen.” Reflektionen ausgeloest hat der Sammelband auch bei Eva Kaczor von Miss Creative Classy: “Mich hat “Vernetzt” dazu gebracht darueber nachzudenken, warum mich vernetzt sein manchmal nervt.”

Zur Abwechselung sollen nun die “Vernetzt”-AutorInnen selbst zu Wort kommen – natuerlich im Rahmen einer Verbrecherversammlung in dem Klub Monarch. Bei der Veranstaltung lesen der Musiker und Komponist Dirk Dresselhaus alias Schneider TM, der Architekturprofessor Franz Xaver Baier, die Lektorin und Kunstkritikerin Anne Schreiber sowie der Unternehmer Florian Kosak, die neue Chefredakteurin der Berliner Gazette Magdalena Taube und Krystian Woznicki. Der Eintrittspreis betraegt 4 Euro.”

Spreeblick schreibt über das Buch:

“[...] jeder Text hat den Charme eines überraschenden Gesprächs an einem Tresen mit einer Person, die schonmal was erlebt hat und davon, manchmal besser, manchmal schlechter zu erzählen hat.

Kurzum: Es ist ein Buch, mit dem man ein Bier trinken gehen möchte.
Quelle: Spreeblick

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Symposium “Meergemeinschaft” der Berliner Gazette – am 12./13.6. in den Sophiensälen Berlin

An diesem Freitag, dem 12. und Samstag, den 13.6., veranstaltet die Berliner Gazette , für deren Logbuch ich regelmäßig Artikel schreibe, im Rahmen ihres diesjährigen Themas “Wasserwissen” ein Symposium in den Berliner Sophiensälen (die allein schon einen Blick wert sind). Diese “MEERGEMEINSCHAF“, . “Ein internationales Symposium mit KuenstlerInnen, WissenschaftlerInnen und UnternehmerInnen”, bietet ein spannendes Programm:

Am Freitag, den 12.6., beginnt das Symposium mit der Podiumsdiskussion “Performance”:

“Tanz, Theater, Festival und Festspiel – in ihrer fliessenden, fluechtigen Beschaffenheit bieten sich solche Ereignisse dazu an, verschiedene Formationen des Kollektiven modellhaft zu erproben. Aber welche zukunftsweisenden Ansaetze bieten sie zur Gestaltung, Inszenierung beziehungsweise Dekonstruktion von Gemeinschaft? Die Podiumsdiskussion bringt Inge Baxmann [Kulturwissenschaftlerin], Florian B. Mueck [Unternehmer] und Christopher Uhe [Komponist] zusammen. Zur Einleitung liest die Schauspielerin Sabine Waffender Texte mit Wasser-Motiven von Franz Kafka und anderen. Publikumsgespraech mit Waffeln und Wasser im Anschluss an die Diskussion.”

Persönlich ist das nicht unbedingt mein Thema, jedoch klingt die Einleitung mit Wasser-Motiven von Franz Kafka recht reizvoll, da ich Kafka bisher nicht mit Wasser assoziiert hätte.

Am Samstag, den 13.6. gibt es einen Workshop “Medien” für Jugendliche zwischen 17 und 25:

“Aus so unbegrenzt vielen Verbindungen, wie sie das Meer bietet, setzt sich heute die Gesellschaft zusammen; als Katalysator dienen Medien. Aber wie koennen Medien zu Buehnen werden, die die Erfahrung von Gemeinschaft kritisch reflektieren? Der Workshop ermoeglicht jungen/angehenden MedienmacherInnen zwischen 17 und 25 den Austausch mit MedienexpertInnen: Vettka Kirillova [Netz- und Performancekuenstlerin], Wolfgang Knauff [Unternehmer] und Roman Schmidt [Publizist].”

Es sind wohl noch zwei bis drei Plätze frei, die Anmeldung erfolgt per formloser E-Mail an Magdalena Taube (mt@berlinergazette.de).

Der eigentliche Höhepunkt – zumindest für mich – beendet das Symposium. Am Samstag Abend, ab 19 Uhr findet der Vortrag “Philosophie” statt:

“Bei dem Vortrag ueber Gemeinschaft und Gewalt im Zeitalter der Globalisierung kommt mit dem Philosophen Roberto Esposito ein international diskutierter Denker zu Wort, der in seiner innovativen Gemeinschaftstheorie das Maritime des Gemeinsam-Seins herausgearbeitet hat. Fuer ihn ist >das Meer die […] bewegliche und extreme Form jener Trennung, der wir ausgeliefert sind. Das Element der Entwurzelung – und deswegen auch der Verlust der Herrschaft ueber unser Geschick<. Sabine Waffender liest zur Einleitung Textpassagen mit Wasser-Motiven von Friedrich Hoelderlin und anderen.”

Bisher hatte ich in meiner Arbeit keine Berührung mit dem italienisches Philosophen Roberto Esposito. Die Klappentexte seiner Bücher “Communitas.Ursprung und Wege der Gemeinschaft” und “Immunitas. Schutz und Negation des Leben” scheinen ihn irgendwo zwischen Giorgio Agamben und Francois Jacob (“Die Logik des Lebenden”) zu verorten. Ein sicher interessanter Abend in ansprechend-angenehmer Umgebung.

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Vom Web 2.0 und der Amnesie von Online-Quellen

Ein amüsantesLesemoment hatte ich bei der Vorbereitung meines Besuchs des “Crashkurs Online-Medien” der Berliner Gazette, deren Abend zum Thema “Web 2.0″ ich morgen Abend begleite. Es bot sich an, vorbereitend einen Blick in Geert Lovinks “Zero Comments: Elemente einer kritischen Internetkultur” zu werfen, das bereits zu lang auf meinem Schreibtisch liegend auf eine Rezension für die Berliner Gazette wartet. Lovink versucht mit einem Kniff den leidigen Definitionsversuch “Web 2.0″ zu umgehen, indem er in einer Fußnote anmerkt

Statt einer Definition des Web 2.0, z.B. jener von Wikipedia, würde ich gerne auf den folgenden Eintrab bei Listible verweisen: www.listible.com/list/complete-list-of-web-2-0-products-and-services
Quelle: Geert Lovink, Zero Comments. Elemente einer kritischen Internetkultur, Bielefeld 2008, S. 9.

Nun ist das Anliegen verständlich und warum sollte man gerade die Definition von “Web 2.0″ nicht dem Web überlassen, dabei aber der bereits übermächtigen Wikipedia entfliehen und auf eine web-2.0-affine Liste von Web 2.0 Diensten verweisen? Nun, wie sich herausstellt: Weil der Link nicht mehr verfügbar ist und die scheinbar oft zitierte Liste sich im Datennirvana aufgelöst hat. Dies entbehrt nicht einer gewissen Komik, wenn nicht Ironie, die die Vergänglichkeit von Onlinequellen in Allgemeinen und Web 2.0 Phänomenen im speziellen gerade an deren Definition festmacht. Immerhin muss man zugestehen dass allein die “sprechende URL”, also lesbare Adresse, eine technische Errungenschaft, die in ihrer Durchsetzung sicher dem Web 2.0 zugeschrieben werden kann, trotz fehlendem Inhalt eine Assoziation auslöst – quasi Abstract und Adresse in einem ist.

Ein Zugriff auf die Liste ist übrigens weiterhin möglich, über das web.archive.org Projekt:
http://web.archive.org/web/20080209162222/http://www.listible.com/list/complete-list-of-web-2-0-products-and-services

Eine andere web-2.0-affine Definition des Web 2.0 liefert die für die Wikipedia übberraschend modern aussehende, klickbare Tag Cloud zum Thema: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a7/Web_2.0_Map.svg

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