In der Zeit verzweifelt Ulrich Greiner an den Särgen in Leinen und Leder. Gesamtausgaben. Man hat sie im Regel stehen, ist stolz, genießt ihren Anmut. Goethe, Schiller, Kafka, Brecht, Thomas Mann – sie stehen da und verbreiten ihre vermeintlich lückenlose Erschließung eines Autors. Und dann kommt der Schock: Möchte man sie lesen, entziehen sich diese schweren Bände jeder natürlichen Lesehaltung: Angst vor Beschädigung, wuchtige Seitenmassen, ziehendes Gewicht. Die Gesamtausgabe ist scheinbar nie zum Lesen gedacht gewesen. Bedrucktes Möbel. Oder nur Spiegel eines veränderten Leseverhaltens. Eines veränderten Leseortes. Ein Buch, das ist ein preiswertes Ding, das in die Tasche passt und in jederlei Hinsicht tauglich für öffentliche Verkehrsmittel. Die Gesamtausgabe ist dessen Antithese. Und selbst wenn es sich um eine Paperback-Ausgabe handelt: Zuguterletzt zeichnet auch sie sich durch eine Unauffindbarkeit des gesuchten Textes aus. Schön ist sie dennoch. Die Gesamtausgabe. Vielleicht wäre sie als Sammlung von Heften in Buch-ähnlichen Schubern denkbar. Auf den ersten Blick unvorstellbar – auf den zweiten ehrlich praktisch.
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